
In Die andere Wahrheit, ihrem Tagebuch einer Andersartigen, wie sie selbst es nennt, berichtet Alda Merini über ihre langjährigen Aufenthalte in der Psychiatrie. Zwischen Tagebuchnotiz, Anklage und existenzieller Reflexion entfaltet sich eine Sprache von großer Klarheit und emotionaler Wucht. Sie schreibt nicht über das Anderssein, sie schreibt aus ihm heraus und gibt damit auch anderen Andersartigen eine Stimme. Im März 2026 wäre sie 95 Jahre alt geworden und ihr nun erstmals auf Deutsch vorliegendes Tagebuch soll Anlass sein, auch darüber zu sprechen, was wir von der in Italien gefeierten Dichterin über ein gutes Zusammenleben lernen können.
Alda Merini, geboren 1931 in Mailand, veröffentlichte ihre ersten Gedichte mit 19 Jahren. Von 1953 bis 1961 erschienen vier Bände mit ihren Gedichten, bis sie in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde und zwanzig Jahre lang nicht mehr schrieb. Erst 1984 erschien mit La Terra Santa ein neuer Gedichtband, der als ihr bedeutendster gilt. Alda Merini starb 2009 in Mailand.
Mit
Lars Castellucci, Thomas Müller
Moderation
Anna Vollmer
Lesung
Valentina Marturini
Dienstag, 24. März 2026
19 Uhr
Istituto Italiano di Cultura di Berlino
Valentina Marturini ist Schauspielerin, Autorin, Schauspielcoach und praktische Philosophin. 2018 entwickelte sie die „philosophischtheatralischen Praktiken”, einen originellen Ansatz, der praktische Philosophie mit der Arbeit des Schauspielers verbindet. Sie ist Autorin zeitgenössischer Dramen, die in Italien aufgeführt und ausgezeichnet wurden. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Thomas Müller ist Leiter des Forschungsbereichs Geschichte und Ethik der Medizin am ZfP Südwürttemberg/ Universität Ulm, Klinik für Psychiatrie u. Psychotherapie I
Lars Castellucci ist Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 2025 ist er Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe.
Anna Vollmer studierte Italianistik, Anglistik und Geschichte in Heidelberg und Rom. Seit 2024 ist sie Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
Auf Deutsch mit Simultanübersetzung
In Zusammenarbeit mit
Verlag Psychiatrie und Geschichte
Alda Merini: Die andere Wahrheit. Tagebuch einer Andersartigen, Verlag Psychiatrie und Geschichte, 2024. Aus dem Italienischen von Marco Grosse, Hrsg. von Thomas Müller und Lars Castelluci.
It. Orig.: Alda Merini, L‘altra verità. Diario di una diversa, Scheiwiller 1986
Dario Ferrari: La ricreazione è finita
Oblomow in der Toskana: ein Generationenporträt nicht mehr ganz junger Italiener – aus der Sicht des selbstironischen, stets bräsigen und immer beredten Tagediebs Marcello Gori.
Marcello, um die dreißig und frischgebackener Ex-Langzeitstudent ohne richtigen Job, wohnt im Touristenstädtchen Viareggio – natürlich bei seiner Mutter. Er fürchtet, seine Freundin könnte es ernst mit ihm meinen, und ebenso sehr, sie könnte ihn verlassen. Seine größte Sorge aber ist: Er will auf gar keinen Fall die Bar seines Vaters übernehmen. Mehr aus Trotz bewirbt sich Marcello um eine Promotionsstelle an der Uni Pisa – und zur allseitigen Überraschung, auch seiner eigenen, bekommt er sie. Schnell gerät Marcello in die Ränkespiele eines legendären Literaturprofessors, der ihm ein Thema für seine Doktorarbeit aufdrückt: das schriftstellerische Werk des linken Terroristen Tito Sella. Doch warum interessiert sich sein Professor so sehr für den kaum bekannten, im Gefängnis verstorbenen Sella? Und was verrät dessen angeblich verschollene Autobiografie? Hochkomisch und einnehmend erzählt Dario Ferrari von Marcello, der sich erfolgreich dem Erwachsenwerden widersetzt – und dem zusehends die Grenzen verschwimmen: zwischen Literatur und Leben, zwischen dem schreibenden Terroristen und sich selbst.
Donnerstag, 19. März 2026
Die Pause ist vorbei
Lesung und Gespräch mit Dario Ferrari
GRASSI Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5–11
04103 Leipzig
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Es dolmetscht Johannes Hampel
Als eines Tages Baumaschinen vor ihrer Haus- und Stallanlage unweit des Meeres an der Küste Sardiniens auftauchen, versteht Anna die Welt nicht mehr. Auf ihrem abgelegenen Stück Land, das einst ihrem verstorbenen Vater gehört hat, soll ein luxuriöser Hotelkomplex entstehen. Die junge Hirtin und Bäuerin, die sich nach einer gescheiterten Ehe in Mailand in ihre Heimat zurückgezogen hat, um mit einer kleinen Ziegenherde Käse für den lokalen Markt zu produzieren, beginnt einen schier aussichtslosen Kampf um ihre Existenz und den Schutz der Natur.
Inspiriert von wahren Ereignissen, die sich vor 15 Jahren an der Küste Sardiniens abspielten, erzählt Marco Amenta von einer mutigen Frau, die sich gegen die Macht des Geldes wehrt.
Herausragend Rose Aste in der Titelrolle, die alle Facetten von Annas Charakter mit unglaublicher Intensität verkörpert.
Special Gast: Regisseur Marco Amenta
Dolmetschung konsekutiv durch Johannes Hampel
Kino BABYLON
Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 BERLIN
Die bleibende Widmung – Erinnerung, Diaspora und die Suche nach einer Familie
Anlässlich des Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Unter der Schirmherrschaft der Italienischen Botschaft
Gespräch mit musikalischer Begleitung
Einführung: Alessandro Turci
Moderation: Shelly Kupferberg
Klavier: Davide Incorvaia
Bei der Ankunft der Alliierten 1943 lebten noch 534 Juden in Neapel. Eine von ihnen ist die 19-jährige Luciana. Sie verliebt sich in einen Soldaten der jüdischen Brigade, der mit der britischen Armee nach Italien gekommen war. Er heißt Heinz Rebhun, stammt aus Berlin und war 1936 zusammen mit seinem Zwillingsbruder Kurt nach Palästina ausgewandert. Wenige Monate nach ihrer Heirat ist der Krieg vorbei, Heinz muss mit seinem Bataillon nach Palästina zurück und trifft dort auf seinen Bruder, der mit der britischen Armee in Frankreich und Griechenland gewesen war. Im Mai 1946 wird Heinz‘ und Lucianas Tochter Miriam in Neapel geboren, zwei Monate später zieht sie mit dem Kind zu ihrem Mann nach Haifa. Hier lernt sie Kurt und dessen junge Frau kennen und beginnt, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen. Doch im Januar 1948 wird Heinz bei einem arabischen Überfall auf einen Bus bei Haifa getötet. Kurt sorgt noch für die Rückfahrt der am Boden zerstörten Luciana und ihres Babys nach Neapel, bevor auch er drei Monate nach seinem Bruder im Unabhängigkeitskrieg fällt.
Im Laufe der Jahre begibt sich Miriam auf die Spuren ihrer Herkunft. Stück für Stück setzt sie die unglaubliche Geschichte ihrer Familie zusammen und hält sie in ihren Büchern fest. Anlässlich des Gedenktages 2026 erzählt sie diese Geschichte nun in der Stadt, in der sie nach über 75 Jahren ihre Cousine Daphna wiedergefunden hat.
Dienstag, 27. Januar 2026
19 Uhr
Jüdisches Gemeindehaus, Fasanenstraße 79-80, 10623 Berlin-Charlottenburg
Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit
Jüdische Gemeinde zu Berlin
http://www.jg-berlin.org/
http://www.jg-berlin.org/
MIRIAM REBHUN lebt in Neapel, hat Italienisch und Geschichte am Gymnasium unterrichtet und als Zeitzeugin der zweiten Generation 2011 ihren ersten Roman »Ho inciampato e non mi sono fatta male« veröffentlicht. Ihr letztes autobiografisches Buch »La dedica« (Die Widmung) ist 2024 erschienen.
SHELLY KUPFERBERG, geboren in Tel Aviv und aufgewachsen in Westberlin, hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaftenstudiert. Sie ist Journalistin, Moderatorin und Buchautorin. Ihr erfolgreicher Roman »Isidor« (2022) wird gerade für das Burgtheater in Wien adaptiert. Im März 2026 erscheint ihr Roman »Stunden wie Tage« (Diogenes).
DAVIDE INCORVAIA studierte klassisches Klavier in Mailand und Jazzklavier bei Franco D’Andrea. Seit 2008 spielt er Konzerte mit international renommierten Jazzmusikern, ist Bandleader und Sideman bei Jazzfestivals in ganz Europa und hat Alben u.a. mit Kenneth Dahl Knudsen, Roberto Manzin, Dima Bondarev und Toms Rudzinskis veröffentlicht. Seit 2014 lebt er in Berlin und spielt in den wichtigsten Jazzclubs Deutschlands.
Immer da, wo menschliche Interaktion ins Spiel kommt, wo es um Interpretation und Sinn geht, kommt ChatGPT an seine Grenzen. Diesem Thema widmet sich die Konrad-Adenauer-Stiftung in ihrer Publikation "3 Jahre ChatGPT eine -Zwischenbilanz".
Im November 2022 stellte OpenAI erstmals ChatGPT-3 einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Anwendung millionenfach heruntergeladen und ausprobiert. Dabei überwiegt die private Nutzung vor allem durch jüngere Menschen, während Unternehmen bis heute das Sprachmodell eher zögerlich und explorativ einsetzen.
Mit den Interviews auf dieser Projektseite gehen wir der Nutzung des Sprachmodells sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Ursachen wie Folgen nach. Einerseits umfassen diese Einschätzungen von Expertinnen und Experten zu den Themen Technik, Ökonomie, Arbeit, Regulierung und Nachhaltigkeit. Andererseits berichten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem praktischen Umgang mit ChatGPT in konkreten Anwendungsfällen, wie dem Krankenhaus, der Versicherungswirtschaft, der Übersetzung, dem Journalismus und der Wissenschaft.
https://www.kas.de/de/3-jahre-chatgpt